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Vorträge

7. WESTFÄLISCHER GENEALOGENTAG IN ALTENBERGE

Samstag, 18. März 2017, 10:00-17:00 Uhr

Vortragsraum: Aula der Ludgerischule (2. Etage), ausgeschildert. Moderation: Roland Linde (WGGF)


10:30 - 11:15 Uhr

Gerd Dethlefs: Währungsreformen - Geld und Geldwert im 18. und 19. Jahrhundert

Preußischer 1/3 Taler 1788

Dem Familienforscher begegnen in den Quellen häufig Geldangaben, sei es im Zusammenhang mit grundherrlichen Abgaben und Brautschätzen, mit Gebühren und Bußgeldern, mit Schulden und Hypotheken, Versicherungswerten, Löhnen usw. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, was die genannten Münzen wie Reichstaler, Silbergroschen usw. eigentlich für einen Wert hatten. Was konnte man damals damit kaufen?

Für eine Antwort muss man nicht nur Preise und Löhne kennen, sondern sollte auch wissen, wie Geld und Währung funktionierten. Welche Währungen es im Westfalen des 18. und 19. Jahrhunderts gab, wie sie untereinander zusammenhingen und sich veränderten - im Schnitt alle 50 Jahre - wird im Vortrag erläutert.

Dr. Gerd Dethlefs betreut beim LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte den Bereich Landesgeschichte und das Portraitarchiv Diepenbrock. Er ist zudem Vorsitzender des Vereins der Münzfreunde für Westfalen und Nachbargebiete e.V.

Foto: Preußischer 1/3-Taler von 1788, Wikimedia, Johannes Robalotoff


 11:30 - 12:15 Uhr

Thomas Reich: Die bunte Welt der Frühen Neuzeit – Aufschwörungstafeln als adlige Abstammungsnachweise

Thomas Reich mit AufschwörungstafelnWer im Alten Reich die Aufnahme in ein Domkapitel, in ein freiweltliches adliges Damenstift oder in eine Ritterschaft anstrebte, musste seine adlige Geburt nachweisen. War zunächst noch die „Viererprobe“, also die Abstammung von zwei standesgemäßen Großelternpaaren, ausreichend, konnte sich mitunter bis ins 18. Jahrhundert die Forderung nach 32 adligen Vorfahren durchsetzen. Zusätzlich verlangte die Ritterschaft den Besitznachweis eines landtagsfähigen adligen Gutes.

Die bunte Darstellung der persönlichen Wappen in aufsteigender Linie enthält zwar keine biographischen Angaben, allerdings werden die verwandtschaftlichen Generationsfolgen deutlich erkennbar. Die Sammlung der erst seit Kurzem neu verzeichneten Aufschwörungstafeln besteht aus ca. 2850 Tafeln aus dem Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis 1815.

Die Aufschwörungstafeln des Landesarchivs NRW Abt. Westfalen sind seit 2016 als Digitalisate im Internet verfügbar. Doch nicht nur sie. Auch zahlreiche Manuskripte, Karten und Urkunden können inzwischen vom Schreibtisch aus benutzt werden.

Dr. Thomas Reich ist Leiter des Dezernats „Bestände vor 1816 sowie Nichtstaatliches und Nichtschriftliches Archivgut“ beim Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen in Münster.


13:30 - 14:15 Uhr

Andreas Stützer: Lesen in alten (Familien-)Fotos. Fotografien als historische Quelle

Andreas StützerFotografien sind von Familienforschern bislang (zu) wenig beachtete Quellen, obwohl sie viele genealogisch relevante Informationen beinhalten. Sie gewähren z.B. Einblicke in die Wohnstätten, Lebensumfelder, Kleidungsstile und in das Freizeitverhalten der Vorfahren.

Für die nachfolgenden Generationen besteht allerdings das Problem, dass die dargestellten Motive oft unmittelbar an die Erinnerungen der am Bild beteiligten Personen geknüpft sind. Erlöschen diese Erinnerungen, werden die Fotos zu reinen Zeitdokumenten ohne persönlichen Bezug.

Daher ist es kein Wunder, dass viele alte Fotografien im Laufe der Zeit entsorgt werden, obwohl sie die einzigen Dokumente sind, die im wahrsten Sinne des Wortes ‚Einblicke’ in das Leben der Vorfahren ermöglichen. Durch Nutzung kollektiven Wissens, digitaler Datenbanken usw. ist es heute immerhin möglich, die Inhalte historischer Fotos ansatzweise zu rekonstruieren und diese Informationen dauerhaft zu konservieren. Anhand eines Beispiels werden einige dieser Möglichkeiten, z.B. die zeitliche, räumliche und thematische Einordnung, in dem Vortrag vorgestellt.

Dr. Andreas Stützer lebt in Aachen und ist selbständiger Trainer und Berater für Berufsfindung, Bewerbung und wissenschaftliches Arbeiten.

 


14:30 - 15:15 Uhr

Marcus Weidner: Die Digitale Westfälische Urkundendatenbank (DWUD) - Ein Werkzeug auch für Familienforscher

Marcus WeidnerDie archivische Überlieferung in Westfalen-Lippe ist ebenso vielfältig wie verstreut. Dies gilt besonders für die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunden, die sich heute auf viele staatliche, kommunale, private und kirchliche Archive verteilen. Schon in den 1930er Jahren wurde deshalb von Archivaren der Plan entwickelt, über die Archiv- und Bestandsgrenzen hinweg einen Gesamtnachweis aller westfälischen Urkunden zu schaffen.

„Analog“, also auf Karteikarten, wurden seitdem von den Mitarbeitern des heutigen LWL-Archivamts inhaltliche Zusammenfassungen von Urkunden – sog. Regesten – verfasst. Auf diese Weise kamen bis in die 1970er Jahre rund 65.000 chronologisch geordnete Regesten aus über 250 Archivbeständen aus ganz Westfalen-Lippe zusammen.

Mit dem neuen Informationsmedium ,Internet‘ bot sich viele Jahre später dann die Chance, die Kartei zu reaktivieren, ihre Daten elektronisch weiterhin pflegen und öffentlich nutzbar machen zu können. Auf Initiative des LWL-Internet-Portals „Westfälische Geschichte“ wurde das Projekt einer „Digitalen Westfälischen Urkunden-Datenbank" – kurz DWUD – zusammen mit dem LWL-Archivamt angegangen und diese Ende 2011 freigeschaltet. In seinem Vortrag erläutert Marcus Weidner die Entstehung und Benutzung dieser Datenbank, die auch für Familienforscher ein Füllhorn an Informationen und Quellenbelegen bietet.

Dr. Marcus Weidner ist wissenschaftlicher Referent für das Internet-Portal "Westfälische Geschichte" beim LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte.


15:30 - 16:15 Uhr

Marie-Luise Carl und Volker Hirsch:
Die westfälischen Juden- und Dissidentenregister 1815-1874 - Start des Online-Projekts "JuWeL"

Volker Hirsch und Marie-Luise CarlIn der preußischen Provinz Westfalen wurden ab 1815 nach gesetzlichen Vorgaben Geburts-, Heirats- und Sterberegister auch für jene Einwohner geführt, die nicht der katholischen oder evangelischen Kirche angehörten. Das waren vor allem die Einwohner jüdischen Glaubens. Konfessionslose und Angehöriger christlicher Sekten und Freikirchen bezeichnete man als "Dissidenten".

Die Führung der sogenannten Juden- und Dissidentenregister endete 1874 mit der Einführung der standesamtlichen Personenstandsregister. In einigen Fällen reichen die Register auch in die "Franzosenzeit" (1807-1815) zurück.

Soweit erhalten, befinden sich die Juden- und Dissidentenregister für die ganze Provinz Westfalen sowie für das Fürstentum Lippe heute in der Abteilung Ostwestfalen-Lippe des Landesarchivs NRW in Detmold, dem früheren Staats- und Personenstandsarchiv Detmold. Sie sind inzwischen digitalisiert und stehen nunmehr online zur Verfügung.

Doch dabei soll es nicht bleiben: Das Landesarchiv NRW, der Verein für Computergenealogie und die Westfälische Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung starten nunmehr ein gemeinsames Projekt zur Online-Indexierung der Register, an dem sich Interessenten weltweit beteiligen können. Ziel ist es, die Register so zu erschließen, dass einzelne Einträge schnell gefunden werden können. In der Vortragsveranstaltung soll das Online-Projekt "JuWeL" vorgestellt und freigeschaltet werden.

Marie-Luise Carl ist Stadtarchivarin von Mettmann und Vorsitzende des Vereins für Computergenealogie, Dr. Volker Hirsch betreut als Dezernent beim Landesarchv NRW Abt. Ostwestfalen-Lippe in Detmold das Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe.

Foto: M. Schultes, Landesarchiv NRW

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