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Nachruf zum Tode von Dr. Karl Stich am 23.Mai 1999

Der am Pfingstsonntag, den 23.Mai 1999 in Regensburg verstorbene Prof. Dr. Karl Stich wurde am 2.12.1916 als neuntes Kind des alten Kreis-Bischofteinitzer Bauerngeschlechtes Stich in Semeschitz Nr.19, dem sog. Schlesinger-Hof geboren.

Von 1922 bis 1927 besuchte er die Volksschule in Semeschitz und 1927/28 die Bürgerschule in Bischofteinitz. Danach besuchte er das humanistische Gymnasium in Mariaschein bei Teplitz und maturierte dort 1936. Anschließend studierte er an der deutschen Karls-Universität in Prag Latein und Geschichte und wurde am 6. Juli 1940 zum Doktor der Philosophie promoviert. Seine Promotionsarbeit schrieb er über "Das Urbar der Herrschaft Bischofteinitz-Zetschowitz 1587". Es war ein Zeichen der Verbundenheit mit seiner bäuerlichen Heimat, daß er während der Semesterferien stets auf dem elterlichen Hof mitgearbeitet hat.

Am 2.9.1940 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und am 1944 erlitt er als Leutnant der Infanterie schwerste Beinverwundungen. Im März 1945 kehrte er nach Semeschitz zurück und mußte zuerst die Besetzung seiner Heimat durch den tschechischen Pöbel, und danach die völkerrechtswidrige Vertreibung aus ihr erleben. Dadurch kam er nach Regensburg, wo er seine Frau Hedwig, aus Staab gebürtig, heiratete, eine Familie gründete und sich ein neues Zuhause schuf.

Von Mai 1947 bis September 1972 unterrichtete er als Gymnasialprofessor am Albertus-Magnus-Gymnasium in Regensburg. Zeit seines Lebens beschäftigte sich Dr. Stich mit der Heimat- und Familienforschung. 26 Jahre war er Mitglied des Kreisrates des Heimatkreises Bischofteinitz und war in dieser Funktion maßgeblich am Aufbau des Heimatmuseums des Heimatkreises in der Patenstadt Furth i.W. beteiligt.Genauso lang war er bis zu seinem Tod Ortsbetreuer seines Heimatortes Semeschitz. Er arbeitete viele Jahre aktiv sowohl in der Sudetendeutschen Landsmannschaft, als auch in der Ackermann-Gemeinde mit. An Ostern 1988, auf dem Höhepunkt seiner Arbeit als Heimat- und Familienforscher, veröffentlichte er sein Buch: "Heimat in Böhmen, Semeschitz-Kreis Bischofteinitz".

Allen einschlägigen Fachleuten war in kürzester Zeit klar, daß dieses Buch weit über den Rahmen einer Ortschronik hinausgeht, ja daß es sich um ein Standardwerk böhmischer Geschichte am Beispiel seines Heimatkreises Bischofteinitz handelte. Er beschreibt darin die ältesten schriftlichen Quellen und gibt Hinweise auf die Entstehung von Namen und Familiennamen, behandelt wird die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die Steuerrolle von 1654, die Revisitation 1677, die Bauernaufstände und das kaiserliche Robotpatent von 1680, die Ocular-Visitation des Jahres 1722, den Theresianischen Kataster von 1748, das "Leben in der Leibeigenschaft und Untertänigkeit", ein herrschaftliches Gerichtsverfahren 1760 und die Robotordnung des Jahres 1775, kriegerische Ereignisse und verschiedene Begebenheiten aus Protokollen, das Ende der Leibeigenschaft und den Josephinischen Kataster 1787.

Für den Familienforscher stellen seine Beschreibungen, Kopien und beispielhaften Übersetzungen der Pfarrmatriken im Staatl. Gebietsarchiv in Pilsen wertvolle Hinweise dar. Im Rahmen der Bechreibung von Grundstücksklassifikationen werden praktische Arbeitshilfen zur Einschätzung alter Maße und Gewichte gegeben. Der historische Teil wird abgeschlossen mit der Beschreibung des Endes der Robot und der Untertänigkeit 1848. Die Beschreibung der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung seines Heimatortes dürfte in vielen Orten des Egerlandes ähnlich verlaufen sein, sodaß auch hier eine Fülle an allgemein gültigen Informationen aufgearbeitet sind. Daran schließt sich ein politischer Teil mit dem Titel "Von der Sudetenfrage 1918/19 zur Sudetenkrise 1938" an, der mit der Vertreibung 1945/46 endet.

Für jeden aber, der Vorfahren aus dem Dorf Semeschitz hat, bietet der Teil II mit den Hof-, Haus- und Familiengeschichten eine wahre Fundgrube, da für jeden Hof und jedes Haus alle verfügbaren Quellen ausgewertet wurden. In Anerkennung seiner vielfältigen Volkstumsarbeit erhielt Dr. Karl Stich u.a. 1967 die Goldene Ehrennadel des Heimatkreises Bischofteinitz, 1979 das Große Ehrenzeichen der Sudetendeutschen Landsmannschaft und 1990 die Professor-August-Sauer-Plakette des Sudetendeutschen Archivs. Außerdem war er Inhaber der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Am 27.Mai 1999 wurde Dr. Karl Stich unter großer Anteilnahme von Landsleuten, Freunden und Bekannten, darunter auch der Vorsitzenden der Sudetendeutschen Familienforscher, Frau Lore Schretzenmayr in Regensburg zu Grabe getragen. Mit Prof. Dr. Karl Stich haben wir Sudetendeutschen Familienforscher einen aktiven und weltweit Anerkennung geniessenden Forscherfreund verloren. Er hat sich wahrhaft um die sudetendeutsche Familienforschung verdient gemacht. Wir wollen ihm daher stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Alfred Piwonka, Forschungsgruppe Bischofteinitz im Mai 1999


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Zuletzt geändert: 02-Jul-99 (ds)
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