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Bundesverdienstkreuz für Heimat- und Familienforscherin Frau Gertrud Träger

Am 22. November 2000 erhielt Frau Gertrud Träger aus der Hand der Bayerischen Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung Barbara Stamm im Festsaal des Sozialministeriums in München das Bundesverdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das ihr vom Bundespräsidenten verliehen wurde. Mit dieser Auszeichnung werden ihre grossen Verdienste um den Erhalt der kulturellen Identität der heimatvertriebenen Egerländer gewürdigt, die sie sich vor allem mit wertvollen Dokumentationen für die Heimatkreise Luditz und Tachau, mit Arbeiten in der Egerländer Familienforschung und mit ihrem massgeblichen Mitwirken bei der Errichtung der Egerländer Kunstgalerie Marktredwitz erworben hat.
Gertrud Träger wurde am 16. März 1923 in Luditz Nr.150 als Tochter des Arztes Dr. Ferdinand Träger (aus Tachau) und der aus einer alteingesessenen Luditzer Familie stammenden Maria Theresia Lediger geboren. Nach der Volksschule und Bürgerschule in Luditz absolvierte sie die Fachschule für Frauenberufe in Eger. Von 1943 bis zur Vertreibung wirkte sie in der Sparkasse Tachau als Buchhalterin. Nach der Vertreibung kam Frau Träger mit ihrer Mutter und den Verwandten ins Lager Moosen im Kreis Erding. Auf Initiative der Holzfachleute des Tachauer Gebietes übersiedelte sie nach Deining im Kreis Wolfratshausen, wo die Tachauer Holzindustrie in Gerertsried/Gartenberg wieder entstehen sollte. Der Onkel von Frau Träger errichtete auch in Dorfen wieder eine Knopferzeugung und Holzwarenproduktion. Nach dem Tod ihrer Mutter lebte sie kurz bei ihren Verwandten in Dorfen und ging dann zur Weiterbildung nach Heidelberg. Seit 1960 lebt Frau Träger in München. In München war sie, nach Tätigkeit in der Fa. Triumpf-Mieder, von 1963 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1983 in der Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft Bayern GmbH in München Hauptbuchhalterin.
Neben ihrer sehr verantwortungsvollen beruflichen Tätigkeit widmete sich Gertrud Träger seit den sechziger Jahren der Heimatforschung und der Dokumentation ihrer alten Heimat im Egerland. In wenigen Jahren entstand in enger Zusammenarbeit mit den Gemeindebetreuern im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft das Heimatbuch Kreis Luditz, eine über 900 Seiten umfassende Dokumentation der 110 Gemeinden und 6 Städte dieses Kreises. Es erschien 1971; die Arbeitsgemeinschaft garantierte auch die Drucklegung. Es folgte das Ehrenbuch der Opfer des Ersten Weltkriegs im Kreis Luditz und 1973 ein umfangreiches Personen- und Sachregister zum Heimatbuch Luditz. Dieses Heimatbuch stellt mit seiner Bibliographie die umfaßendste Beschreibung des Kreises Luditz, Buchau und Deutsch-Manetin dar, die je veröffentlicht wurde. In den Jahren 1990 bis 1993 stellte Frau Träger - wieder in Zusammenarbeit mit den Gemeindebetreuern - die Topographie der Kulturdenkmäler im Egerland, Kreis Luditz, zusammen. Außerdem ermöglichte sie die Neuauflage der Geschichte der Stadt Luditz, die sie für den Zeitabschnitt 1936 bis 1946 ergänzte, und legte eine Sammlung Geschichte der Luditzer nach der Vertreibung an.
1985 inventarisierte sie den gesamten Bestand der Luditzer Heimatstube in der Patenstadt Sooden-Allendorf. In den Jahren 1992 bis 1994 stellte sie mit der Leiterin Irene Küllmer (geb. Schlößinger) das Kreisarchiv zusammen.
Auch bei der Tachauer Heimatstube in der Patenstadt Weiden/Oberpfalz half sie 1991-1993 bei der Inventarisierung mit und stiftete eine Vitrine mit Erzeugnissen der Tachauer Holzindustrie, die in der Fabrik ihres Onkels Franz Seitz in Tachau hergestellt wurden.
Für die Schriftenreihe zur Tachauer Heimatgeschichte stellte sie 1989 den Band 3 "Künstler aus dem ehemaligen Kreis Tachau-Pfraumberg" zusammen und finanzierte zusammen mit Heimatkreisbetreuer Dr. Wolf-Dieter Hamperl das tschechisch-deutsche Druckwerk "Die historischen Grabmäler der Tachauer Region" 1994. In den Publikationen Tachau, Geschichte einer deutschen Stadt in Böhmen in Wort und Bild (1994) und Vertreibung und Flucht aus dem Kreis Tachau im Egerland 1945 bis 1948 ist sie mit Beiträgen vertreten.
Über mehrere Jahre erarbeitete sie mit den Gemeindebetreuern die Grundlagen zu den Kunstdenkmälern des politischen Bezirks Tachau, erschienen 1999 in der Dokumentationsstelle zur Erfassung der Kulturwerte in den deutschen Gebieten von Böhmen, Mähren und Schlesien im Sudetendeutschen Haus in München.
Für das Egerländer biografische Lexikon von Dr. Josef Weinmann lieferte sie Unterlagen über die Persönlichkeiten der Kreise Luditz und Tachau. Sie war Mitarbeiterin der Abteilung "Kunstgeschichte" im Arbeitskreis Egerländer Kulturschaffender und sammelte Unterlagen für über 110 Egerländer Künstler, die nur zum Teil im Katalog 2 "Kunstschaffen der Egerländer im 20.Jh." aufgenommen wurden.
1981-1989 ordnete und archivierte Frau Träger die Werke und die Kunstsammlung von Professor Richard Fleißner, Tuschkau/München (1903-1989) und unterstützte den Künstler bei der Errichtung einer Stiftung mit dem Ziel, eine Kunstgalerie im Egerland-Kulturhaus Marktredwitz für Kunst des 20. Jhd. einzurichten. Seit 1997 wirkte Frau Träger im Organisations-Gremium für die Kunstgalerie mit und trug dazu bei, daß die Egerländer Kunstgalerie Marktredwitz im September 1999 mit eigenen Exponaten sowie weiteren Zustiftungen und vor allem Leihgaben des Museums Ostdeutsche Galerie Regensburg und von Künstlern, Kunstsammlern und Kunstnachlässen eröffnet werden konnte. Im Jahr 2000 stellte sie den beachtlichen Betrag von 10 TDM für die wissenschaftliche Betreuung der Kunstgalerie zur Verfügung.
Als Kulturbeauftragte des Heimatkreises Luditz erarbeitete sie mit den Ortsbetreuern in 1998 bis 2000 eine Kultur-Katasterkartei für diesen Kreis unter Verwendung von Karteiblättern, die von Kreisheimatpfleger Josef Wabra entwickelt und von der Kreisbetreuerin Dietlinde Jenisch für den Kreis Mährisch-Trübau erprobt waren. Mit Hilfe des Kulturkatasters entstand die erste deutsch-tschechische Denkmalliste als Prototyp für den Kreis Luditz-Buchau-Deutsch Manetin auf der Basis des CR-Entwurfs vom Landesamt für Denkmalpflege in Karlsbad. Der tschechische Entwurf der Denkmalliste wurde durch Frau Träger ergänzt; Herr Zeischka (Oberhausen/Waltsch) lieferte dazu die Denkmallisten. In gleicher Weise arbeitete Frau Träger an den Neuerstellung des Kulturkatasters für die Stadt Luditz.

Frau Träger widmete sich auch der Egerländer Familienforschung. Sie war lange Jahre Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Tachau (unter der Leitung von Herrn Oswald Frötschl). 1981-1991 leitete sie die Forschungsgruppe Luditz als Nachfolgerin der verstorbenen Leiterin Maria Gaksch, um sie dann an Herrn Josef Pressner abzugeben. In dieser Zeit wurden 32.090 Karteikarten und 600 Ahnenlisten erstellt. Zudem erarbeitete sie "Quellen- und Namensnachweis" (QNN, Folge 7/8) zur "Geschichte der Stadt Luditz" und zum "Heimatbuch des Kreises Luditz" (QNN, Folge 9), sowie zahlreiche Beiträge für familienkundliche Fachzeitschriften und Heimatzeitungen.

Frau Staatsministerin Barbara Stamm würdigte Frau Gertrud Träger als Vorbild für die Bewahrung des Kulturguts der heimatvertriebenen Egerländer. Sie hob hervor, daß auf der Grundlage des Kulturkatasters die Aufklärung über den Verbleib von Kunstgegenständen, vor allem der Lochotiner Madonna gelang. Die Geehrte brachte zum Ausdruck, daß sie die Auszeichnung zugleich als Anerkennung und Dank für die vielen Mitarbeiter verstehe, ohne die sie ihre Aufgaben nicht hätte bewältigen können.

Quellen: Der Egerländer und Heimatbrief Luditz


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Zuletzt geändert: 14-Feb-2001 (ds)
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