Schleswig-Holsteinische Familienforschung e.V.
Die Geschichte des Vereins

Mit 65 gehen die meisten Menschen in den Ruhestand, aber Familienforscher laufen dann erst zur Hochform auf, denn „nun haben sie ja Zeit".
Dabei wird oft vergessen, dass der Grundstock schon in jungen Jahren gelegt werden muss, denn viele ältere Familienmitglieder, die man fragen könnte, sind bei eigenem Ruhestand nicht mehr am Leben. Alte unbeschriftete Familienfotos stellen dann die wohl erste und größte Herausforderung dar.
Mit der Suche  in den kirchlichen und staatlichen Archiven dagegen darf man sich mehr Zeit lassen, denn die Unterlagen sind dort sicher verwahrt und die Überlieferungen reichen sowieso weiter zurück als die Erinnerungen der Eltern und Großeltern.
Die Vereinsgeschichte beginnt aber nicht erst 1948, denn schon lange vorher gab es Familienforscher, die regelmässig ihre Forschungsergebnisse austauschten und sich 1935 zur  „Arbeitsgemeinschaft für Sippenforschung und Sippenpflege" zusammenschlossen. Diese Gruppe bestand größtenteils aus jüngeren Leuten, wie aus den erhaltenen Karteikarten ersehen werden kann.
Die Arbeitsgemeinschaft musste nach Kriegsende aufgelöst werden, da die Ahnenforschung - die im 3. Reich für einige Berufsgruppen Pflicht wurde - in Verruf geraten war und zudem die britische Besatzungsmacht am  8. Mai 1945 vorerst jegliche Vereinstätigkeit verbot.

Aber schon bald danach berieten sich die Mitglieder der aufgelösten Arbeitsgemeinschaft, in welcher Form die familiengeschichtlichen Forschungen wieder aufgenommen werden könnten.
Der Bestand an Büchern, Zeitschriften und Familienforschungen (etwa 150 - 200 Schriften, fast alles Spenden) der Arbeitsgemeinschaft konnte vom damaligen Leiter Prof. Dr. Hoffmann über den Krieg gerettet werden und er bildete damit den Grundstock unserer heutigen Bibliothek.
Darum gibt es auch einen Rückblick auf  den „Vereinsvorläufer", um die Geschichte des heutigen Vereins besser verständlich zu machen.


Auch durften einige Mitglieder ihren Beruf nicht mehr ausüben, wie aus dem der Gründung vorangegangenen Schriftwechsel entnommen werden kann, soweit er erhalten geblieben ist.

Nachfolgend finden Sie also zunächst
- Einen Brief zur Gründung der „Arbeitsgemeinschaft"
- Die Karteikarten unserer späteren Vorsitzenden
- Ein Rundschreiben betreffs der „Forscherausweise"
- Die Ankündigung der ersten Veröffentlichung 1937

 
 Gründung der Arbeitsgemeinschaft
Das älteste vorhandene Schreiben handelt von der Gründung der „Arbeitsgemeinschaft"

 
 
Die Karteikarten der späteren Vorsitzenden der SH-Familienforschung


  frühe Mitteilungen
Eine der ganz frühen Mitteilungen

Ein Rundschreiben an die Mitglieder, wer selbst forschen will bekommt einen Ausweís
 
Sippe der Nordmark ist fertig


1937: Das erste Heft der „Sippe der Nordmark" ist fertig

 

 

In den nächsten Schreiben lesen wir von den Bemühungen, nach Kriegsende einen rechtsfähigen Verein zu gründen, die

„Schleswig-Holsteinische Gesellschaft fur Familienforschung und Wappenkunde e.V. in Kiel"
 

 

Mit Schreiben vom 20. März 1948 lud Dr. Hoffmann dann für den 3. April zu einer
Besprechung in den Ratskeller ein, die Niederschrift ist hierunter abgebildet.
Darin ist auch angegeben, was noch von der bisherigen Sammlung vorhanden ist.

 

Die letzten Zeilen stehen auf der Rückseite, da es sich aber nur um die Grußformel handelt wurde auf die Wiedergabe verzichtet.

 Die erste Satzung, noch mit jährlichen Vorstandswahlen:
 
    SatzungS1

 SatzungS2

Am 4. Mai 1948, noch vor der Währungsreform und 3 Jahre nach dem Verbot einer Vereinstätigkeit, war es dann soweit!
Der Verein wurde als rechtsfähiger Verein von acht aktiven Familienforschern unter dem Namen
"Gesellschaft für schleswig-holsteinische Familienforschung und Wappenkunde in Kiel" gegründet.
 

                Die Gründungsmitglieder  waren:
Verkehrsreferent Wilhelm Behrens, Oberpostmeister a.D. Heinrich Bulck,
Stadtoberinspektor Carl Piepgras,
Rektor a.D. Johann Gronhoff,
Stadtarchivarin Dr. Hedwig Sievert,
Referent Hans Klindt,
Prof. Dr. G. Ernst Hoffmann und
Rechtsanwalt Dr. Gustav Rendtorff.




Vorsitzende:

Der erste Vorsitzende wurde 1948
Prof. Dr. Gustav Rendtorff  
der 1953 wegen dienstlicher Anspannung nicht wieder kandidierte.

Prof. Kümmel
Zum Nachfolger wurde Prof. Dr. G. Ernst Hoffmann gewählt (leider kein Foto),
gleichzeitig wurde durch eine Satzungsänderung die Amtszeit des Vorstandes  auf
5 Jahre verlängert. Eine jährliche Wahl mit notarieller Beglaubigung der  Meldung
an das Vereinsregister hatte sich als zu aufwändig erwiesen
Wegen neuer beruflicher Aufgaben verzichtete Prof. Hoffmann Ende der Amtszeit 1958 auf eine Wiederwahl und wurde durch Prof. Hermann Kümmel abgelöst, der aber bereits 1961 den Vorsitz  wegen großer Überlastung durch seine Arztpraxis wieder abgab.

Er löste die bisher in unregelmässigen Abständen erscheinenden „Mitteilungen"
durch Publikation in der „Norddeutschen Familienkunde" ab.          
Prof. Kümmel


Sein Nachfolger wurde der Staatsanwalt Friedrich Schmidt-Sibeth, der bis 1988 das Amt ausübte und sich für eine eigene Publikation einsetzte.

Schmidt-Sibeth


Friedrich Schmidt-Sibeth
Vorsitzender 1961-1988
*  9. Nov. 1912 in Lübeck
† 17. Mai 2007 in Kiel

Langjähriger Vorsitzender und Ehrenmitglied der Schleswig-Holsteinischen Gesellschaft für Familienforschung und Wappenkunde e. V. Kiel,
der heutigen Schleswig - Holsteinischen Familienforschung e. V.
und langjähriger Redakteur des „Familienkundlichen Jahrbuches Schleswig-Holstein"

Friedrich Schmidt-Sibeth gab 1988 aus Altersgründen den Vorsitz ab.




ihm folgten:
1988 - 1993 Irmgard Khuen,
1994 - 1998 Peter Matthias,
1998 - 2002 Joachim Memmert
2002 - 2004 Hayo Benn
2005  Juni-Sept. Björn Rogge
2005  seit November Peter Drygalla


Veröffentlichungen
Die ersten Veröffentlichungen der „Arbeitsgemeinschaft" erfolgten -wie schon erwähnt- in der Reihe „Die Sippe der Nordmark - Beiträge zur Heimatforschung"
Veröffentlichungen des „Vereins" erschienen anfangs als „Mitteilungen" in unregelmässigen Abständen.
Die Ausgaben 1 - 10 aus den Jahren 1949 - 1958 sind als Buch gebunden in der Bibliothek einsehbar. Bis 1961 wurden Aufsätze dann in der „Zeitschrift für Norddeutsche Familienkunde", später umbenannt in „Zeitschrift für Niederdeutsche Familienkunde" veröffentlicht. Die Zeitschrift wird heute noch von 4 Vereinen herausgegeben, u.a. der „Maus" und dem Hamburger Verein.
Da die „Schleswig-Holsteinische Familienforschung" nur unter „ferner liefen" vertreten war, wurde ab 1962 unter Friedrich Schmidt-Sibeth das „Familienkundliche Jahrbuch Schleswig-Holstein" als eigene Zeitschrift herausgegeben, deren 52. Jahrgang in Vorbereitung ist.
Da der Verein damals nur wenige Mitglieder zählte - Dezember 1961 waren es 101,  im Dezember 1962 nur noch 98 - und einen, zumindest aus heutiger Sicht, geringen Beitrag erhob, musste natürlich die Finanzierung gesichert werden.
Dazu stellte er einen Antrag an den Kultusminister Schleswig-Holsteins und bat um einen Zuschuß zu den Herstellungskosten, der auch wiederholt gewährt wurde.

 Antrag auf Zuschuß
Auszug aus dem Antrag auf einen Zuschuß

Der Zuschuß betrug 1500 DM, die gesamten Herstellungskosten inkl. Versand beliefen sich auf knapp 2400 DM
Um mit dem Jahrbuch für den Verein zu werben, wurden vom ersten Band 500 Exemplare gedruckt, die auch kostenlos an andere genealogische Vereine mit dem Vorschlag eines Schriftentausches gesandt wurden. Einige Bibliotheken (z.B. die Kongreßbibliothek in den USA) erhalten das Jahrbuch ohne Gegenleistung, um dort für Familienforscher mit Wurzeln in Schleswig-Holstein präsent zu sein.
Zeitungsverlage erhielten Exemplare mit der Bitte, eine Buchbesprechung zu veröffentlichen.
Durch diese massive Werbung wurde der Verein in der Öffentlichkeit besser bekannt und die Mitgliederzahl wuchs über 155 im Dezember 1963, 190 im Dezember 1965 bís auf 460 im Jahre 1992 an.

  Jahrbuch

 
  An den Kultusminister

An den Kultusminister

 

Mitteilungen

Informationen an die Mitglieder gab es anfangs als Rundschreiben, erhalten sind 1/1952 vom März 1952 und „Rundschreiben 2" vom März 1953 in der damals üblichen Vervielfältigungsweise als Hektographie.

Die erste Ausgabe unserer heute noch publizierten Mitteilungen erschien im Frühjahr 1968. Die alten Ausgaben wurden soweit möglich digitalisiert, neuere erscheinen gleichzeitig als PDF-Datei. Auf dem Vereinscomputer im Landesarchiv sind die meisten Mitteilungen gespeichert und können dort eingesehen werden, die letzten 2 Jahrgänge sind auf unserer Homepage gespeichert.

Die Mitteilungen erscheinen vierteljährlich, jedes Mitglied darf darin sein Forschungsgebiet vorstellen und auch Suchfragen veröffentlichen. Nutzen Sie diese Möglichkeit.


Aktivitäten

Vorträge und Treffen fanden regelmäßig statt, meistens im Hotel Kaiser Friedrich am Wilhelmplatz. Ab Winter 1976/77 wurden dort zusätzlich in den Wintermonaten Oktober bis März die „Genealogischen Abende" am zweiten Dienstag des Monats eingeführt.

Themen waren die Besprechung von neu erschienener genealogischer Literatur, wozu vor allem die zahlreichen im Tauschwege von anderen -auch ausländischen- genealogischen Vereinigungen erworbenen Zeitschriften und Jahrbücher zählten, sowie Vorträge mit allgemeinen genealogischen oder speziell biographischen Inhalten.

Ergänzt wurden die winterlichen Abende durch ungezwungene genealogische Dämmerschoppen, die seit 1984 im Sommerhalbjahr einmal im Monat Gelegenheit zum Gedanken- und Forschungsaustausch im Arkaden Cafe, Kiel, Reventloubrücke gaben, später im Clubheim Waldwiese, Hamburger Chaussee 79 in Kiel.

Beide Zusammenkünfte wurden nach einigen Jahren eingestellt, da die Teilnehmerzahl immer weiter zurückging.

Am 19. und 20. Oktober 1968 fand in Ratzeburg in der Evang. Heimvolkshochschule das erste Treffen von Familienforschern aus der Genealogischen Gesellschaft Hamburg, dem Arbeitskreis für Familienforschung in Lübeck und unserem Verein statt.

Vorbereitet und geleitet vom damaligen Vorsitzenden des Lübecker Vereins, Dr. Zeis.

Daraus entwickelte sich das „Nordelbische Genealogentreffen", das immer noch von den drei Vereinen im Wechsel ausgerichtet wird, heute allerdings in Rickling.


Internet

Seit etwa 1999 ist unser Verein mit einer eigenen Homepage und einer Mailingliste im Internet vertreten. Der Server im Genealogischen Wikipedia (kurz GenWiki) wird vom Verein für Computergenealogie e.V. bereit gestellt.

Seitdem haben wir auch das vereinseigene Wappen oder Logo, dass von Jürgen Laudi entworfen wurde.

Unserer Homepage können Sie zahlreiche Hinweise und Quellen für die eigene For-schung entnehmen, Fragen an andere Forscher stellen Sie einfach über die vereinsinterne Mailingliste, kostenfreie Anmeldung ist für Mitglieder jederzeit möglich.

Suchanfragen die früher vierteljährlich in den Mitteilungen veröffentlicht wurden, lassen sich problemlos über die Mailingliste stellen und die Antwort kommt innerhalb kurzer Zeit.

Die Bibliothek

Die Bibliothek mit den zahlreichen Ahnenlisten ist das Herzstück des Vereins.
Den Grundstock bildete der über den Krieg gerettete Bestand an Büchern, Zeitschriften und Familien- forschungen der „Arbeitsgemeinschaft".
Die damalige Stadtarchivarin, Frau Dr Sievert, konnte in einem kleinen Nebenraum des Stadtarchivs ein Regal mit unseren Büchern und Zeitschriften füllen.
1961 war der Bestand 407 Bücher, 305 Hefte und 146 Stammbäume
1965 waren es 577 Bücher, 166 Hefte zum Binden und 215 Stammbäume
Aus den späteren Jahren gibt es leider keine Angaben über den Bestand, nur die Neuaufnahmen wurden erwähnt.

Ein Zukauf von Büchern war unserer Gesellschaft damals aus finanziellen Gründen nicht möglich. Alle ,,Zugänge" sind Geschenke von Mitgliedern oder Besprechungsexemplare von Verlagen oder Autoren. Es wurde schon früh damit begonnen, mit anderen genealogischen Gesellschaften und heimatkundlichen Vereinen den gegenseitigen Schriftenaustausch zu vereinbaren. So verfügt unsere Bibliothek heute über viele genealogischen Zeitschriften und Jahrbücher anderer Gesellschaften. Das gilt auch für die heimatkundlichen Vereine.

1975 mussten wegen Umbauarbeiten die Räume aufgegeben werden. Unser Bücherbestand wurde in Kartons verpackt und bei einem Spediteur eingelagert, bis 1984 bescheidene neue Räume im 2. Stockwerk des Hauses Harmsstraße 13 eingeweiht werden konnten. Ein ehemaliges Mansardenzimmer war entsprechend umgebaut wor-den.

Aus dem Rundschreiben Nr. 70/1984::
Archiv und Bibliothek unserer Gesellschaft sind in langer mühevoller  Arbeit von dem Kassenwart Delfs nunmehr geordnet worden.
Er hat ihnen auch im Dachgeschoß seines Hauses Harmsstraße13
(unweit des Sophienblattes I Hauptbahnhofes) in Kiel in drei Räumen eine gute Unterkunft geboten und diese mit Licht und Wasser bequem ausgestattet, damit ist ein unerträglicher Zustand für unsere Sammlungen, die Unterkunftslosigkeit von jahrelanger Dauer, beendet worden.
Unsere Gesellschaft ist dafür Herrn Delfs zu höchstem Dank verpflichtet.


Die Räumlichkeiten wurden mit der Zeit zu klein und das Gewicht der Bücher nahm mit steigendem Bücherbestand zu. Die Tragfähigkeit der altersgeschwächten Deckenbalken war daher sehr fraglich.
Als Herr Delfs im April 1994 starb kündigten die Erben nach einiger Zeit den Mietvertrag.
Der Vorstand suchte eine Unterkunft für den Bestand, die schliesslich in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Milchladens im Hause Von-der-Goltz-Allee 48 gefunden wurde.
Aber auch diese Räume wurden mit der Zeit zu klein und im Sommer 2001 erfolgte deshalb in Eigenregie der Umzug der Bibliothek in den Königsweg 103, wo wir bis Mitte 2006 bleiben konnten.

2001 legte der damalige Bibliotheksbetreuer Johannes Witt ein Bestandsverzeichnis an, in dem die Gruppe „A" 1540 Titel auflistete. Der Buchbestand war wesentlich höher, denn eine Nummer umfasste oftmals mehrere Bände. So ist z.B. das Deutsche Geschlechterbuch unter der Nummer A 0001 mit 20 Bänden vertreten.
Dazu kamen 150 Zeitschriftenreihen und Jahrbücher, ca. 1400 Ahnenlisten, 82 Schriften über Heraldik und 51 Datenträger.

Da die Mitgliederzahl im Laufe der Zeit immer weiter zurückging (der höchste Stand war 1992 mit 460 erreicht), waren die Kosten für eigene Bibliotheksräume auf Dauer nicht mehr tragbar, zumal sich ständig steigende Kosten für Miete, Heizung und Strom abzeichneten.


Also mussten wir wieder umziehen, diesmal in das Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig, wo unsere Bibliothek als eigenständiger Bestand unter der Abteilungssignatur „SHF" aufgenommen wurde. Statt weniger Tage im Monat  kann nun während der normalen Öffnungszeiten montags bis freitags von 08:30 - 17:00 Uhr im Lesesaal in den Büchern gestöbert werden.

Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat bietet ein Mitglied des Vereins im Lesesaal des Landesarchivs Hilfestellung bei der Benutzung unseres Bestandes an.

Hierfür benötigen wir übrigens noch Unterstützung!

Durch die kostengünstigere Unterbringung im Landesarchiv ist die Zukunft unseres Vereins für längere Zeit gesichert, vorausgesetzt es finden sich immer genügend Mitglieder, die bereit sind ein Ehrenamt zu übernehmen oder sonst aktiv mitzumachen.


Zusammenstellung/Layout: Peter Drygalla
erstellt 2013 zum 65. Jahrestag der Vereinsgründung

Quellen:
Schriftwechsel des Vereins
Mitteilungen
„Die Geschichte der Bibliothek" aus dem Bestandsverzeichnis 2001